Im Turnier wacht der Schachschiedsrichter darüber, dass die FIDE-Schachregeln eingehalten werden: Er kontrolliert die Uhren, entscheidet über Anträge, ahndet Verstöße und leitet die Ergebnisse zur Homologation weiter. In Frankreich bildet ihn die Direction nationale de l'arbitrage (DNA) der FFE aus und verleiht ihm einen Titel; die internationalen Titel FIDE-Schiedsrichter und Internationaler Schiedsrichter vergibt die FIDE.
Die eigentlichen Spielregeln (Gangart der Figuren, Rochade, en passant) gelten überall gleich. Ein Turnier legt aber eine zweite Schicht von Wettkampfregeln darüber: wie man Figuren berührt, wie man mitschreibt, wann man Remis beantragen darf und was man am Körper tragen darf. Sie stehen in den FIDE-Schachregeln, die seit 1. Jänner 2023 gelten, und sind im Schiedsrichterhandbuch der FFE übernommen und kommentiert. Auch Turnierspieler in Österreich, wo der Österreichische Schachbund (ÖSB) den Spielbetrieb organisiert, spielen nach diesen FIDE-Regeln; die Titel und Verfahren weiter unten betreffen jedoch Frankreich.
Die Rolle des Schachschiedsrichters
- Vor dem Turnier: gemeinsam mit dem Veranstalter die Turnierordnung vorbereiten, die Homologation beantragen, das Material prüfen und die Uhren einstellen.
- Bei der Anwesenheitskontrolle: kontrollieren, ob jeder Spieler eine Lizenz hat und, bei einem FIDE-Turnier, eine FIDE-ID.
- Während der Runden: Paarungen erstellen, Runden starten, die Partien beaufsichtigen, das Fallen des Blättchens feststellen, über Anträge entscheiden und Strafen verhängen.
- Nach dem Turnier: Rangliste und Feinwertungen erstellen, den technischen Bericht schreiben und die Ergebnisse zur Homologation übermitteln, wobei darauf zu achten ist, dass der Veranstalter die Gebühren bezahlt.
Die Schiedsrichtertitel in Frankreich und bei der FIDE
Die FFE hat ihre Schiedsrichtertitel für die Saison 2026-2027 neu geordnet. Der Verbandswerdegang besteht jetzt aus vier Titeln, die die DNA an Inhaber der Lizenz A vergibt, jeweils verbunden mit der Art von Wettbewerb, die sie leiten dürfen.
| Titel | Wichtigste Bedingungen | Anmerkung |
|---|---|---|
| Arbitre fédéral jeune (AFJeune, Jugendschiedsrichter) | Jugendlicher mit Lizenz A, verliert den Titel nach der Saison, in der er 18 wird | Übergang zum AFMatch ab 16 Jahren |
| Arbitre fédéral de match (AFMatch, Mannschaftskampf-Schiedsrichter) | Mindestens 16 Jahre, Lehrgang, Prüfung und praktischer Einsatz in einem Schweizer Turnier mit mindestens 5 Runden | Die bisherigen AFC werden zu AFMatch |
| Arbitre fédéral de club (AFClub, Vereinsschiedsrichter) | Mindestens 18 Jahre, Titel AFMatch, Lehrgang, Prüfung, praktischer Einsatz und Antrag auf FIDE-Zulassung | Kann nach der Zulassung ein FIDE-homologiertes Turnier leiten |
| Arbitre fédéral d'open (AFOpen, Open-Schiedsrichter) | Mindestens 18 Jahre, Titel AFClub, Prüfung und zwei praktische Einsätze, bewertet von zwei Tutoren | Die bisherigen AFO1, AFO2, AFE1 und AFE2 werden zu AFOpen |
International vergibt die FIDE zwei Titel: FIDE-Schiedsrichter (FA) als Einstiegsstufe und Internationaler Schiedsrichter (IA) als höhere Stufe. Damit ein Turnier in die FIDE-Wertung eingeht, muss sein Hauptschiedsrichter von der FIDE zugelassen sein; damit dort eine Spielernorm erzielt werden kann, muss er FIDE-Schiedsrichter oder Internationaler Schiedsrichter und vor Ort anwesend sein, und kein Schiedsrichter darf dort mitspielen.
Berührt-geführt und „j'adoube“
Die Regel Berührt-geführt (Artikel 4.3) ist die bekannteste Turnierregel: Berührt der Spieler am Zug absichtlich eine seiner Figuren, muss er sie ziehen, wenn sie gezogen werden kann; berührt er eine gegnerische Figur, muss er sie schlagen, wenn sie geschlagen werden kann. Eine Figur, die auf einem regelgerechten Feld losgelassen wurde, darf nicht mehr auf ein anderes Feld gestellt werden.
J'adoube: französischer, weltweit gebräuchlicher Ausdruck, den der Spieler am Zug sagt, bevor er eine Figur berührt, um sie auf ihrem Feld zurechtzurücken, ohne sie ziehen zu müssen (Artikel 4.2). Man kann auch „ich richte“ sagen. Nur der Spieler am Zug darf das tun.
Auf die Geste kommt es genauso an wie auf die Worte: Wer „j'adoube“ erst sagt, nachdem er die Figur berührt hat, ist vom Ziehen nicht befreit. Eine eindeutig zufällige Berührung begründet keine Zugpflicht.
Das Partieformular
In der klassischen Partie muss jeder Spieler seine eigenen Züge und die seines Gegners Zug für Zug in algebraischer Notation auf dem vom Veranstalter bereitgestellten Partieformular festhalten (Artikel 8.1). Davon befreit ist er, wenn ihm weniger als fünf Minuten bleiben und die Bedenkzeit ihm nicht mindestens 30 Sekunden pro Zug gutschreibt. Im Schnellschach und Blitz gibt es keine Mitschreibpflicht. Das Formular dient dazu, eine Stellungswiederholung zu belegen und eine Partie nach einem Streitfall zu rekonstruieren; am Ende gibt man es, von beiden Spielern unterschrieben, beim Schiedsrichter ab.
Regelwidriger Zug, Anträge und Remis
| Situation | Was die Schachregeln vorsehen |
|---|---|
| Erster vollendeter regelwidriger Zug (Uhr gedrückt) | Die Stellung wird wiederhergestellt und der Gegner erhält 2 Minuten (1 Minute im Schnellschach und Blitz) |
| Zweiter vollendeter regelwidriger Zug | Partie verloren, außer wenn der Gegner nicht mattsetzen kann: Remis |
| Einen Zug mit beiden Händen ausführen, drücken ohne zu ziehen | Wird wie ein regelwidriger Zug behandelt |
| Dieselbe Stellung zum 3. Mal | Remis auf korrekten Antrag des Spielers am Zug, der zuvor seinen Zug auf das Formular schreibt |
| 50 Züge ohne Schlagen und ohne Bauernzug | Remis auf Antrag |
| Dieselbe Stellung 5-mal oder 75 Züge ohne Schlagen und ohne Bauernzug | Automatisches Remis, vom Schiedsrichter festgestellt |
| Falscher Remisantrag | Der Gegner erhält 2 Minuten (1 Minute im Schnellschach und Blitz) |
Telefon und elektronische Geräte
Diese Regel überrascht neue Turnierspieler am meisten. Artikel 11.3 verbietet es, im Spielsaal irgendein vom Schiedsrichter nicht erlaubtes elektronisches Gerät am Körper zu haben, gleichgültig ob ein- oder ausgeschaltet. Wird bei einem Spieler ein Telefon gefunden, verliert er die Partie und der Gegner gewinnt, egal wie die Stellung ist. Die Turnierordnung eines Wettbewerbs kann eine mildere Strafe vorsehen oder erlauben, die Geräte völlig ausgeschaltet in einer Tasche zu lassen, die nach den Anweisungen des Schiedsrichters abgestellt wird und die der Spieler nicht ohne Erlaubnis benutzen darf. Ebenso verboten ist es, während der Partie Notizen zu verwenden oder irgendeine Quelle zu Rate zu ziehen.
In der Praxis: Schalten Sie Ihr Handy vor jeder Runde aus und legen Sie es dort ab, wo es die Turnierordnung vorsieht. Ein einziges Klingeln während der Partie genügt, und die Partie ist verloren.
Die Turnierordnung
Jedes von der FFE homologierte Turnier braucht eine Turnierordnung, die Schiedsrichter und Veranstalter verfassen, vor Ort aushängen und vor Beginn veröffentlichen. Sie muss mindestens enthalten: die von der Homologation betroffene Wertung, Termine und Uhrzeiten, das Paarungssystem und die Paarungssoftware, die Feinwertungen und die Preisverteilung, die Schiedsrichter, die Karenzzeit, die Bedingungen für Freilose sowie die besonderen Regeln (Telefone, Betrugsprävention, Begrenzung von Remisen durch Einigung). Mit der Anmeldung erkennt der Spieler diese Ordnung an. Wie man sie abfasst, erläutert die Seite Ein Schachturnier organisieren.
Auch das Material ist geregelt
Zuletzt kontrolliert der Schiedsrichter, ob das Material den Vorgaben entspricht: Figuren vom Typ Staunton, ein Brett, dessen Felder zur Figurengröße passen, funktionierende und richtig eingestellte Uhren. Die FIDE veröffentlicht genaue Normen für Turniermaterial; Le Palais des Échecs fasst sie in einem Artikel über die offiziellen Maße des Turnierschachbretts zusammen. Zu den Uhren siehe die Seite Die Uhr im Turnier; zu Bedenkzeiten und Mitschreiben je nach Spielzeit die Seite Bedenkzeiten im Schach.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „j'adoube“ im Schach?
So kündigt der Spieler am Zug an, dass er eine Figur nur mittig auf ihrem Feld zurechtrücken und nicht ziehen will (Artikel 4.2 der FIDE-Schachregeln). Man muss es sagen, bevor man die Figur berührt.
Was besagt die Regel „Berührt-geführt“?
Berührt der Spieler am Zug absichtlich eine seiner Figuren, muss er sie ziehen, sofern das möglich ist; berührt er eine gegnerische Figur, muss er sie schlagen, sofern das möglich ist (Artikel 4.3).
Darf man bei einem Schachturnier sein Telefon behalten?
Nein. Jedes vom Schiedsrichter nicht erlaubte elektronische Gerät ist im Spielsaal am Körper verboten, auch ausgeschaltet; wer mit einem Telefon erwischt wird, verliert die Partie. Die Turnierordnung kann erlauben, es völlig ausgeschaltet in einer Tasche zu lassen, die nach den Anweisungen des Schiedsrichters abgestellt wird.
Wie wird man in Frankreich Schachschiedsrichter?
Man braucht eine Lizenz A, besucht die Lehrgänge und Prüfungen der Direction nationale de l'arbitrage der FFE und sammelt praktische Einsätze in Turnieren. Seit 2026-2027 führt der Werdegang zu den Titeln AFJeune, AFMatch, AFClub und AFOpen; die Titel FIDE-Schiedsrichter und Internationaler Schiedsrichter verleiht danach die FIDE.
Wer die wenigen Regeln zu Berührung, Formular und Telefon verinnerlicht hat, kann sich am Brett ganz auf die Partie konzentrieren; im Zweifelsfall hat der Schiedsrichter immer das letzte Wort.