Ein homologiertes Schachturnier auf die Beine zu stellen heißt, vier Dinge zusammenzuführen: eine Turnierordnung, einen Schiedsrichter mit Titel, einen rechtzeitig bei der FFE eingereichten Homologationsantrag und einen Saal, in dem jedes Brett mit Figurensatz, Schachbrett und Uhr ausgestattet ist. Paarungen und Ergebnisse verwaltet eine Software, in Frankreich Papi, deren Datei der Homologation dient.
Ob internes Vereinsturnier, Sonntags-Schnellturnier oder internationales Open über neun Runden: Die Schritte sind stets dieselben, nur Größe und Fristen ändern sich. Diese Seite folgt dem zeitlichen Ablauf, gestützt auf das Schiedsrichterhandbuch der FFE (Ausgabe August 2026) und die Reglemente der FIDE. Die Verfahren, Fristen und Gebühren sind die des französischen Verbandes; wer in Österreich veranstaltet, wendet sich dafür an den Österreichischen Schachbund (ÖSB) bzw. den zuständigen Landesverband, die Grundlagen von Turnierordnung, Schiedsrichter, Material und Ablauf gelten aber ebenso.
Der Zeitplan für die Organisation eines Schachturniers
| Turnierart | Antrag spätestens |
|---|---|
| Turnier, das nur für das FFE-Schnellschach-Elo zählt | 10 Tage vor Beginn |
| FIDE-homologiertes Turnier | 15 Tage vor Beginn |
| FIDE-Turnier mit Spielern über 2700 (bei Frauen über 2500) | 1 Monat vor Beginn |
| FIDE-Turnier, in dem eine Norm möglich ist | 40 Tage vor Beginn |
Gestellt wird der Antrag online im Bereich „Mon compte“ der FFE-Website. Auch ein verspäteter Antrag ist möglich, wenn man das vorgesehene Kästchen ankreuzt; ob er angenommen wird, ist allerdings nicht gesichert, und der feste Gebührenanteil verdoppelt sich. Jeder Antrag verpflichtet den veranstaltenden Verein zur Zahlung dieses festen Anteils, selbst wenn das Turnier abgesagt wird. Die FIDE stellt ihrerseits einige Bedingungen: Ein Turnier darf nicht länger als 30 Tage dauern, das Datum jeder Partie muss angegeben sein, und das Programm darf 12 Spielstunden pro Tag nicht überschreiten. Jeder ausländische Spieler muss eine FIDE-ID besitzen.
Was kostet die Homologation eines Turniers?
Die Homologationsgebühren der FFE, wie sie im Schiedsrichterhandbuch dargestellt sind (offizielle, 2022 festgelegte Tarife), setzen sich aus zwei Anteilen zusammen:
| Anteil | Betrag |
|---|---|
| Fester Anteil, klassisches, Schnellschach- oder Blitzturnier der FIDE ohne mögliche Norm | 15 € |
| Fester Anteil, Turnier mit möglichen Normen | 50 € |
| Fester Anteil bei verspätetem Antrag | Verdoppelt |
| Variabler Anteil | 7 % des Nenngeldes, berechnet auf den Normaltarif für Erwachsene und Jugendliche (ohne Spieler mit den Titeln GM, IM, WGM, WIM) |
Die Départements- und Regionalqualifikationen zur französischen Jugendmeisterschaft sind davon ausgenommen. Die Rechnung wird erstellt, sobald die Ergebnisdatei übermittelt wurde, und der Veranstalter muss sie binnen 7 Tagen nach Turnierende begleichen.
Die Turnierordnung und der Schiedsrichter
Jedes homologierte Turnier braucht eine Turnierordnung, die Schiedsrichter und Veranstalter vorbereiten, vor dem Turnier veröffentlichen und im Saal aushängen. Sie ist auch das Erste, was ein Spieler in einer Ausschreibung liest. Mindestens anzugeben sind:
- die Beschreibung des Turniers, der Veranstalter und der Bezugsverein;
- die Wertung, für die es homologiert ist (FFE-Schnellschach-Elo, FIDE klassisch, Schnellschach oder Blitz);
- Termine und Uhrzeiten: Anwesenheitskontrolle, Runden, spielfreie Tage, Preisverleihung;
- das Paarungssystem und die Paarungssoftware;
- die Feinwertungen und die Preisverteilung;
- Name und Funktion der Schiedsrichter sowie gegebenenfalls das Berufungsgericht;
- die Karenzzeit und die Bedingungen für Freilose;
- die besonderen Regeln: Telefone, Betrugsprävention, Begrenzung von Remisen durch Einigung.
Der Schiedsrichter muss den zum Turnier passenden Titel haben; bei einem FIDE-homologierten Turnier muss der Hauptschiedsrichter von der FIDE zugelassen sein, was bereits ab dem Titel Arbitre fédéral de club möglich ist. Für ein Normenturnier braucht es einen FIDE-Schiedsrichter oder Internationalen Schiedsrichter. Die Titel und die Rolle des Schiedsrichters beschreibt die Seite Schiedsrichter und Turnierregeln.
Die Paarungssoftware
In Frankreich ist Papi die Referenzsoftware, eigens für die FFE entwickelt: Sie verwaltet Anmeldungen, Paarungen im Schweizer System und Feinwertungen und erzeugt die Ergebnisdatei (die „boule Papi“), die der Schiedsrichter an den Verband sendet; der Verband berechnet bei jeder Übermittlung die Homologationsgebühren neu. Swiss-Manager, von der FIDE zugelassen, ist in vielen europäischen Ländern der Maßstab und veröffentlicht direkt auf chess-results. Die Direction nationale de l'arbitrage verzeichnet weitere Werkzeuge für kleine Veranstaltungen und die Online-Verwaltung, etwa Sharly Chess, ChessEvent oder MAMI. Zum Schluss setzt der Schiedsrichter das Turnier auf dem Verbandsserver auf „beendet“ und sendet seinen technischen Bericht.
Das Material: was man für 50 Spieler einplanen sollte
Für 50 Spieler braucht es 25 Spielbretter. Jedes davon muss ausgestattet werden mit:
| Element | Empfohlene Menge | Anmerkung |
|---|---|---|
| Figurensätze vom Typ Staunton | 25, dazu einige Reservesätze | Figuren in Turniergröße, gut unterscheidbar |
| Schachbretter | 25, dazu Reserve | Felder passend zur Figurengröße |
| Elektronische Uhren | 25, dazu 2 oder 3 Reserveuhren | Vor Runde 1 auf die Bedenkzeit des Turniers eingestellt |
| Partieformulare | 2 pro Brett und Runde in der klassischen Partie | Mit Durchschlägen, wenn der Veranstalter die Partien erfasst |
| Brettnummern | 25 | Vom Gang aus sichtbar |
| Schiedsrichterplatz | 1 Computer mit Software, 1 Drucker | Zum Aushängen von Paarungen und Ranglisten |
Figuren vom Typ Staunton sind der Standard im Wettkampf. Le Palais des Échecs führt Staunton-Schachspiele in Turniergröße sowie komplette Sets aus Schachbrett und Figuren, praktisch, um einen Verein auf einen Schlag auszustatten. Bei den Uhren hilft sein Ratgeber, eine digitale Schachuhr für den Verein auszuwählen: Ein Turnier mit Zeitbonus verlangt elektronische Uhren, die die Fischer-Bedenkzeit beherrschen (siehe Die Uhr im Turnier).
Der Saal schließlich sollte ruhig, gut beleuchtet und groß genug sein, damit sich Schiedsrichter und Spieler zwischen den Brettern bewegen können. Zuschauer bleiben auf Abstand, und eine Wanduhr zeigt die offizielle Turnierzeit an, wenn kein Countdown eingeblendet wird.
Der Turniertag: Unvorhergesehenes und bewährte Praxis
Die FIDE-Schachregeln und die Kommentare des Schiedsrichterhandbuchs berücksichtigen die häufigsten Zwischenfälle. Man tut gut daran, sie schon vor der ersten Runde zu kennen:
- Defekte Uhr. Der Schiedsrichter ersetzt sie und legt die anzuzeigenden Zeiten nach bestem Ermessen fest (Artikel 6.10). Das Handbuch empfiehlt, während der Runde etwa alle 30 Minuten Zeiten und Zugzahl zu notieren und jede defekte Uhr auszusondern.
- Einstellungsfehler. Stellt sich im Verlauf einer Partie heraus, dass eine Uhr falsch eingestellt war, wird sie angehalten, der Schiedsrichter stellt sie richtig ein und korrigiert die Zeiten, nachdem er die angezeigten Zeiten und die Zahl der gespielten Züge festgehalten hat.
- Unterbrechung. Bei Feueralarm oder einem Vorfall hält der Schiedsrichter die Uhren an und entscheidet über den Zeitpunkt der Fortsetzung (Artikel 6.11).
- Spieler mit Behinderung. Stört der Standort der Uhr einen Spieler, empfiehlt das Schiedsrichterhandbuch, das Schachbrett zu drehen, statt die Uhr zu versetzen. Die FFE widmet einen Teil des Schiedsrichterhandbuchs dem Empfang von Menschen mit Behinderung.
- Verspätungen. Die in der Turnierordnung angekündigte Karenzzeit gilt ab dem offiziellen Rundenbeginn; ein Countdown oder eine Wanduhr beugt Streit vor.
| Termin | Aufgabe |
|---|---|
| Mehrere Monate vorher | Saal reservieren, Termine festlegen, Hauptschiedsrichter finden |
| 2 Monate vorher | Turnierordnung verfassen, Nenngeld und Preise festlegen |
| 40 Tage vorher (wenn Normen möglich) | Homologationsantrag stellen |
| 15 Tage vorher (FIDE-Turnier) | Letzte Homologationsfrist ohne Aufschlag |
| Am Vortag | Bretter aufstellen, Uhren einstellen und nummerieren, Drucker testen |
| Turniertag | Anwesenheitskontrolle, Prüfung der Lizenzen und FIDE-IDs, Paarung der Runde 1 |
| Innerhalb von 7 Tagen danach | Ergebnisse und technischen Bericht senden, Gebühren zahlen |
Preise, Anmeldungen und Kommunikation
Nenngeld und Preistabelle sind frei wählbar, müssen aber in der Turnierordnung stehen. Viele Veranstalter befreien Titelträger vom Nenngeld, um das Niveau zu heben, und sehen Preise nach Wertungsgruppen vor, damit alle Spielstärken belohnt werden. Die Ausschreibung im FFE-Kalender läuft über den Verwaltungsbereich des Turniers, wo der Schiedsrichter auch ein Plakat hochladen kann. Um Spieler über den eigenen Verein hinaus anzuziehen, zählt nichts so sehr wie die Verlässlichkeit eines jährlichen Termins: Die großen Schach-Opens in Frankreich finden Jahr für Jahr zu denselben Daten statt.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet die Homologation eines Schachturniers?
Nach dem Schiedsrichterhandbuch der FFE (Tarife von 2022) fällt ein fester Anteil von 15 € an (50 €, wenn Normen möglich sind), bei verspätetem Antrag das Doppelte, dazu 7 % des Nenngeldes, berechnet auf den Normaltarif. Die Jugendqualifikationen sind davon befreit.
Welche Software nutzt man für die Paarungen eines Schachturniers?
In Frankreich Papi, die Software der FFE, die auch die Homologationsdatei erzeugt. Swiss-Manager, von der FIDE zugelassen, ist in Europa weit verbreitet und veröffentlicht auf chess-results. Weitere Werkzeuge wie Sharly Chess oder ChessEvent führt die Direction nationale de l'arbitrage in ihrem Verzeichnis.
Welches Material braucht man für ein Turnier mit 50 Spielern?
25 Figurensätze, 25 Schachbretter und 25 elektronische Uhren, dazu Reservematerial, Partieformulare, Brettnummern und einen Schiedsrichterplatz mit Computer, Paarungssoftware und Drucker.
Wie lange im Voraus muss man die Homologation beantragen?
10 Tage vor Beginn für ein Turnier, das nur für das FFE-Schnellschach-Elo zählt, 15 Tage für ein FIDE-Turnier (einen Monat bei Spielern über 2700, bei Frauen über 2500) und 40 Tage für ein FIDE-Normenturnier.
Mit einer klaren Turnierordnung, rechtzeitig eingereichten Unterlagen und vollständigem Material steht einem reibungslosen Turniertag nichts mehr im Weg; der Rest ist Schach und gute Stimmung im Saal.